Knöllchen schreiben mit dem Handy - Artikel aus der Rhein-Sieg-Rundschau am 05.04.2011
Smartphones ersetzen alte Handgeräte - Daten werden in Echzeit übertragen.
Von Klaus Müller-Wolf
Rhein-Sieg-Kreis. In Neunkirchen-Seelscheid und neuerdings auch in Troisdorf ist der Verkehrsdienst des Ordnungsamtes mit elegantem Smartphone unterwegs. Die Software "Win OWiG mobil" macht es möglich, dass Knöllchen nebst Beweisfotos von der Politesse in Echtzeit via UMTS-Mobilfunktechnik gleich in die Amtsstuben der Rathäuser übertragen werden können.
Für die Kommune ein echter (Zeit)-Gewinn und eine Kostenersparnis, wie Uwe Schulz, Ordnungsamtsleiter von Neunkirchen-Seelscheid, nach mehr als zwei Jahren Erfahrung sagen kann. Seit dem 1. Januar 2009 setzt die Bergische Gemeinde ein Mobiltelefon mit dem Apfel auf der Rückseite für die Erfassung von Ordnungswidrigkeiten wie Falschparken ein. Da ist die Kamera gleich integriert.
"Das alte Gerät war sehr unhandlich und das Verfahren umständlicher", so Schulz. Die Daten der Parksünder konnten nämlich erst bei der Rückkehr ins Rathaus übertragen werden. Fotos mussten separat mit einer Kamera gemacht werden und hinterher dem jeweiligen Fall zugeordnet werden. Außerdem waren Anschaffung und Unterhalt der Knöllchengeräte teuer. Für die neue Technik reicht ein Mobilfunkvertrag mit Flatrate. Zudem wird das bisherige Diensthandy überflüssig. Mit der Datenübertragung per Mobiltelefon kann die Ordnungswidrigkeit zeitnaher verarbeitet werden und das Ordnungsamt unmittelbar Auskunft auf Anfragen geben.
Auch die Stadt Troisdorf schreibt seit Anfang März Knöllchen mit dem Mobiltelefon. Allerdings über Smartphones eines anderen Herstellers aus Südkorea. Für Civitec, den Zweckverband Kommunale Informationsverarbeitung im Kreishaus, der die beiden Kommunen betreut, ist das kein Problem, solange die Telefone die so genannte Android-Technik verwenden.
"Eine Erleichterung im wahrsten Sinne für die vier Außendienstmitarbeiter, die an den Handgeräten schwer zu tragen hatte", sagte Troisdorfs Stadtsprecher Peter Sonnet auf Anfrage. So seien die ersten Erfahrungen durchweg positiv, weil durch das Multifunktionsgerät Parkverstöße und Beweisfotos einfacher zugeordnet werden können. Über einen kleinen mobilen Drucker mit Bluetooth-Funktion können die Politessen das Knöllchen zudem ausdrucken und unter den Scheibenwischer klemmen.
Die entsprechende Software für die Erfassung der Ordnungswidrigkeiten wurde übrigens von dem Rottweiler Unternehmen Schelhorn entwickelt, Civitec macht den Service vor Ort und die Datenverarbeitung, wie Betreuer Robert Mayer sagt. Bisher im Rhein-Sieg-Kreis aber nur bei den erwähnten Kommunen und in Lindlar im Rheinisch-Bergischen-Kreis. Aber der Zweckverband hofft, dass möglichst viele weitere Kommunen auf die neue Technik umsteigen werden.

